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09. Februar 2010
 

auslandsjournal

 
mittwochs, 22.45 Uhr
Raketenschrott auf einem Acker. Quelle: reuters

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Leben ohne Frieden

Eine israelische Stadt unter Dauerbeschuss

Sderot ist die Stadt in Israel, die am meisten unter dem Dauerbeschuss der Palästinenser steht. 5000 Kassam-Raketen haben sie seit 2001 auf die südisraelische Stadt abgefeuert. Zwölf Menschen fielen den Angriffen aus dem Gaza-Steifen zum Opfer. Die Bevölkerung hat Angst. Wer kann, flieht vor den Raketen.

 
 
 
 

Tomer, elf Jahr alt, ist auf dem Weg zur Schule. Täglich fährt der kleine Israeli mit dem Bus in der Grenzregion zum Gaza-Streifen zum Unterricht. Die Angst fährt immer mit. "Als ich in der ersten Klasse war, habe ich zum ersten Mal erlebt, was eine Kassam-Rakete ist. Wir saßen in der Klasse und plötzlich zitterten alle Fensterscheiben und es gab einen Riesenknall", erzählt Tomer, der in seinem Leben noch nie richtigen Frieden erlebt hat. Seit April 2001 wird Sderot, die Heimatstadt von Tomer, regelmäßig mit Kassam-Raketen beschossen.

 

Psychischer Terror

Beinahe täglich erklingt eine Sirene. Dann haben die Menschen etwa 15 Sekunden Zeit, um sich in einem der Bombenbunker in Sicherheit zu bringen. 15 Sekunden, das ist zumindest die offizielle Version der Regierung. Tatsächlich sind es nur wenige Augenblicke, die einem bleiben, um Schutz vor den Bomben zu finden.

 
Zerstörte Zimmerdecke nach Raketeneinschlag. Quelle: ZDF
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Zerstörte Zimmerdecke nach einem Raketeneinschlag.
 

Zwölf Menschen starben bis heute bei den Angriffen, hunderte wurden verletzt. Nicht viel, wenn man bedenkt, dass in sechs Jahren 5000 Raketen abgeschossen wurden. Doch vor allem die Angst vor den Angriffen belastet die Bevölkerung.

 

Kinder leiden besonders

Besonders die Kinder haben psychische Probleme. Normalität ist in Sderot nicht möglich. Nur selten sieht man auf den Straßen spielende Kinder. Die Spiel- und Sportplätze der Stadt sind verwaist.

 
Israelischer Junge auf Spielplatz. Quelle: ZDF
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Leben in ständiger Angst: "Wenn es die Raketen nicht gäbe, könnte ich öfter raus und mit meinen Freunden spielen".
 

Auch Tomer sitzt stundenlang vor dem Computer, statt mit seinen Freunden draußen zu spielen. "Ich glaube, wenn es keine Kassamraketen gäbe, könnte ich öfter raus, mehr Fußball spielen, mehr mit Freunden zusammen sein und viel öfter Rad fahren", sagt er. Doch ein Ende der Bombardements ist nicht abzusehen. Seit dem Rückzug Israels aus dem Gazastreifen im Sommer 2005 haben die Angriffe sogar noch zugenommen. Allein in diesem Jahr haben die Palästinenser bereits 600 auf Sderot abgeschossen.

 

Keine Lösung in Sicht

Ende September 2004 marschierte die israelische Armee als Vergeltung für die Angriffe in den nördlichen Gazastreifen ein. 78 Menschen, darunter fünf Israelis, kamen bei den Kämpfen ums Leben. Doch eine langfristige Lösung konnte die Militäraktion nicht bringen. Die Bevölkerung von Sderot wirft der Regierung Untätigkeit vor und verlangt ein härteres Vorgehen der Armee. Im Juni 2006 hatten die Einwohner aus Protest gegen den ständigen Beschuss die Stadt abgeriegelt und traten in einen Hungerstreik.

 
Abschuss einer Kassam-Rakete. Quelle: ap
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Abschuss einer Kassam-Rakete aus dem Gaza-Streifen. Zielort ist Sderot.
 

Die israelische Regierung setzt hingegen auf die Entwicklung eines neuen Abwehrsystems zur Verteidigung gegen die Raketen. "Iron Dome", zu Deutsch "Eiserne Kuppel", soll die Raketen gleich nach dem Abschuss orten und rechtzeitig zerstören. Doch das Projekt kostet Hunderte von Millionen von Dollar und auch an der Machbarkeit bestehen erhebliche Zweifel. Mindestens zweieinhalb Jahre würde es dauern, bis die eiserne Kuppel fertig wäre.

 

Dabei sind die Angriffe der Palästinenser längst nicht das einzige Problem von Sderot, das als Entwicklungsstadt gilt. Die Region gilt als rückständig und die Arbeitslosigkeit beträgt fast 20 Prozent. Wer kann, verlässt Sderot. In den letzten Jahren ist die Bevölkerung von 24.000 auf 18.000 geschrumpft.