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21. November 2009
 

auslandsjournal

 
mittwochs, 22.45 Uhr
Die isländische Kaupthing-Bank. Quelle: reuters
Die Kaupthing-Bank ist das Symbol der isländischen Finanzkrise

Island

Kreative Konzepte

Islands Antwort auf die Krise

Kaum ein westliches Land wurde von der Wirtschaftskrise so hart getroffen wie Island. Ein Jahr nach dem Kollaps des Finanzsystems wagen viele Isländer jetzt einen neuen Anfang - mit Kreativität und Flexibilität.

 
 
 
 

Ingi Thor Jakobsson ist sauer: "Die Regierung versteht einfach nicht, was in den Unternehmen vor sich geht!" Nach zwanzig Jahren musste er sein Einrichtungsgeschäft schließen. Seine Möbel, gute Qualität ausgewählter Marken, kaufte am Ende niemand mehr. Trotz Krise hielt er noch achtzehn Monate durch. Einen staatlichen Überbrückungskredit wollte er nicht. Nun übernimmt Svarvar Thorisson seinen Laden. Mit Billigwaren aus China will er erfolgreich sein.

 

Hoffnung nach der Krise

So wie Svarvar Thorisson versuchen sich viele Isländer an neuen Ideen und Konzepten. Das scheint auch nötig, denn die Wirtschaftskrise hat die Inselrepublik schwer getroffen. Unter der Last fauler Kredite kollabierte das Finanzsystem. Viele der rund 315.000 Isländer verloren ihre Spareinlagen. Der Staat sprang ein, übernahm große Anteile von Glitnir, der größten Bank des Landes und verstaatlichte das zweitgrößte Finanzinstitut. Die Staatsschulden stiegen rasant an - auf über 200 Prozent des gesamten Bruttoinlandsprodukts.

 
Die isländische Landsbanki in Schieflage. Quelle: dpa
dpa
Die isländische Landesbank ist in Schieflage geraten

Nach dem Schock keimt nun zarte Hoffnung. Gerade kündigte der Internationale Währungsfonds (IWF) die Freigabe der zweiten Tranche des im November letzten Jahres zugesagten Hilfskredits an. Trotz der Explosion der Staatsschulden jubelte Ministerpräsidentin Jóhanna Sigurdardóttir: "Dies ist ein Durchbruch für den wirtschaftlichen Wiederaufbau des Landes."

 

Auch in der Bevölkerung wächst der Pioniergeist, Flexibilität scheint der Lösungsansatz der Stunde zu sein. Bauingenieurin Silja Einarsdottir verlor nach vier Jahren ihren Job. Kaum gekündigt nahm sie ihr Strickzeug zur Hand und entwarf ihre eigene Modekollektion. Heute ist ihr exklusives Label "she" bei den reichen Isländerinnen heiß begehrt. Die Schöpferin ist glücklich: "So wie es aussieht gibt es keinen Bedarf für Bauingenieure. Und ich bin richtig froh, das zu tun, was ich heute tue."

 

Wachsende Nachfrage nach isländischen Produkte

Nicht jeder konnte sich so schnell an die Krise anpassen. Von 1,6 Prozent ist die Arbeitslosenquote in diesem Jahr auf mehr als neun Prozent angestiegen. Der Wert der isländischen Krone ist abgestürzt und so die Importe teuer geworden. Doch des einen Leid ist des anderen Freud: So steigt die Nachfrage nach isländischen Produkten, im Inland wie im Ausland. Die Isländer setzen verstärkt auf Heimisches. Jedes Wochenende strömen sie auf den Markt in Reykjavík. Ein Verkäufer schwärmt über seinen um vierzig Prozent gestiegenen Umsatz: "Es geht richtig gut. Es kommen viel mehr Menschen. Und sie fragen viel mehr nach den guten alten Produkten."

 
McDonalds in Island. Quelle: dpa
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Auf McDonalds folgt nun eine isländische Fast-Food-Kette namens Metro

Unternehmer Jon Ögmundsson steht an der Spitze dieser Veränderung. Aus den drei McDonalds-Filialen Islands machte er "Metro" und setzt fortan ganz auf isländische Produkte. Zuletzt waren die Gewinne der amerikanischen Fast-Food-Kette drastisch eingebrochen. Ögmundsson übernahm alle Mitarbeiter der Restaurants. Zwar ist Island nun eines von vier Ländern in Europa ohne McDonalds. Dafür sind bei den Zulieferern fünfzehn neue Stellen entstanden.

 

Und so regt sich Leben in Islands Krise. Das Land befreit sich langsam, aber entschlossen und pragmatisch aus der Schockstarre. Denn nicht nur der frischgebackene Einzelhändler Thorisson findet: "Wenn etwas endet, muss was Neues anfangen!"