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20. März 2010
 

auslandsjournal

 
mittwochs, 22.45 Uhr
Barack Obama. Quelle: reuters
Barack Obama scheint die Leichtigkeit der ersten Wochen verloren zu haben.

USA

Ein Jahr Obama

Die Lasten eines Hoffnungsträgers

US-Präsident Barack Obama wirkt rund ein Jahr nach seinem grandiosen Wahlsieg undynamischer als zu Beginn seiner Amtszeit. Nach einem in vielerlei Hinsicht schweißtreibenden Sommer mit innenpolitischen Kämpfen um das "Jahrhundertprojekt" Gesundheitsreform, bereitet ihm nun vor allem das Thema Afghanistan Sorgen.

 
 
 
 

Seit Monaten lässt Barack Obama die militärische und politische Lage am umkämpften Hindukusch analysieren. Mit Richard Holbrooke hat er einen erfahrenen Krisendiplomaten in die Region entsandt, zudem hat er Generäle ausgewechselt und Truppen aufgestockt. Die Taliban erschüttern die Region mit immer neuen Anschlägen. Längst hat sich der Konflikt auch im Nachbarland Pakistan ausgebreitet.

 

Laute Opposition und sinkende Beliebtheit

Obama selbst reagiert zögerlich auf die prekäre Situation und hüllt sich bezüglich einer neuen Kriegsstrategie in Schweigen. Damit irritiert er nicht nur die außenpolitisch Verbündeten der US-Regierung, sondern bietet auch den Kritikern und politischen Gegnern im eigenen Land neue Möglichkeiten für Angriffe auf seine Person.

 

So nutzt die Opposition geschickt das entstandene politische Vakuum, um immer lauter Zweifel an der Führungskraft des 44. US-Präsidenten zu bekunden. Dies bleibt nicht ohne Wirkung auf die in der Kriegsfrage tief gespaltene US-Bevölkerung: Viele Bürger sind der Meinung, der Krieg sei sinnlos geworden und befürworten einen Abzug. Andere fordern, dass der Einsatz mit allen notwendigen Mitteln weitergeführt wird.

 
Barack Obama salutiert gefallenem Soldaten. Quelle: ap
ap
Jeder gefallene US-Soldat bringt Obama innenpolitisch weiter in Bedrängnis.

Obamas Schweigen steht in Kontrast zu seinen vollmundigen Versprechungen von "change", die er im Wahlkampf geäußert hat und stößt bei beiden Lagern auf Unverständnis. Umfragen zufolge stehen mittlerweile nur noch 52 Prozent der US-Bürger hinter ihrem Präsidenten.

Hat die Obama-Regierung ihren Mut verloren?

Fast scheint es so, als werde sich Barack Obama erst jetzt der gesamten Tragweite seines Amtes als "Kriegspräsident" bewusst. Seine politische Aufgabe besteht nun darin - da sind sich viele Experten einig - neben dem global geschätzten Hoffnungsträger auch den Realpolitiker sichtbar werden zu lassen. Die Verleihung des Friedensnobelpreises wird ihm dabei nicht helfen. In Kriegszeiten stellt sie eher eine Bürde als eine Ehre dar.